Der Onlinehandel hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Während viele Verkäufer früher davon träumten, mit wenigen Produkten auf großen Marktplätzen ein stabiles Einkommen aufzubauen, sieht die Realität 2026 deutlich nüchterner aus. Immer mehr Händler stellen fest, dass sich der Verkauf über große Plattformen wirtschaftlich kaum noch rechnet. Im Zentrum dieser Entwicklung stehen vor allem die stetig steigenden Gebühren – allen voran bei Amazon.
Was einst als unkomplizierter Zugang zu Millionen potenzieller Käufer begann, ist für viele Verkäufer zu einem komplexen und kostenintensiven System geworden. Dieser Artikel beleuchtet detailliert, warum Amazon-Gebühren explodieren, welche Kosten Händler tatsächlich tragen und weshalb sich immer mehr Verkäufer nach Alternativen umsehen.
Der Mythos vom „einfachen Geldverdienen“ auf Amazon
Amazon wurde lange als perfekte Verkaufsmaschine vermarktet. Produkte einstellen, Reichweite nutzen, verkaufen – so lautete das Versprechen. Tatsächlich war es in den Anfangsjahren durchaus möglich, mit überschaubarem Aufwand profitabel zu arbeiten. Doch dieser Mythos hält der Realität 2026 nicht mehr stand.
Heute ist Amazon kein neutraler Marktplatz mehr, sondern ein hochoptimiertes System, das vor allem eines verfolgt: maximale Monetarisierung. Verkäufer sind dabei nicht mehr Partner, sondern ein kalkulierbarer Kostenfaktor. Jeder Schritt im Verkaufsprozess ist mit Gebühren verbunden – sichtbar oder versteckt.
Die wichtigsten Amazon-Gebühren im Überblick
Viele Händler unterschätzen, wie viele einzelne Kostenpositionen beim Verkauf auf Amazon zusammenkommen. Erst in der Gesamtsumme wird deutlich, warum die Marge oft dramatisch schrumpft.
Verkaufsprovisionen nach Kategorie
Amazon erhebt je nach Produktkategorie Verkaufsprovisionen, die meist zwischen 7 % und 15 %, teilweise sogar darüber liegen. Diese Provision wird auf jeden Verkauf fällig – unabhängig davon, ob der Händler Gewinn macht oder nicht.
Besonders problematisch: Die Provision wird vom Verkaufspreis inklusive Versandkosten berechnet. Das bedeutet, dass selbst kalkulierte Versandkosten zusätzlich mitprovisioniert werden.
Versand durch Amazon (FBA): Bequem, aber teuer
Viele Verkäufer nutzen „Fulfillment by Amazon“ (FBA), um Prime-Vorteile zu erhalten und ihre Logistik auszulagern. Doch dieser Komfort hat seinen Preis:
- Lagergebühren (monatlich & saisonal)
- Versand- und Verpackungsgebühren
- Langzeitlagergebühren
- Zusatzkosten für Rücksendungen
Gerade bei langsam drehenden Produkten können diese Kosten die gesamte Marge auffressen. Was als Erleichterung gedacht war, wird für viele Händler zur Kostenfalle.
Werbekosten: Ohne Werbung keine Sichtbarkeit
Ein besonders kritischer Punkt ist die zunehmende Abhängigkeit von Amazon-Werbung. Organische Sichtbarkeit reicht längst nicht mehr aus, um relevante Verkaufszahlen zu erzielen. Wer nicht regelmäßig in „Sponsored Products“ und andere Anzeigenformate investiert, verschwindet in den Suchergebnissen.
Diese Werbekosten sind nicht optional, sondern faktisch Voraussetzung für Verkäufe. Je nach Wettbewerbssituation können sie zwischen 5 % und 20 % des Umsatzes ausmachen – zusätzlich zu allen anderen Gebühren.
Rücksendungen, Erstattungen und Verluste
Amazon ist extrem käuferfreundlich – oft auf Kosten der Verkäufer. Rücksendungen werden großzügig akzeptiert, Erstattungen schnell durchgeführt. Händler tragen dabei häufig:
- Rücksendekosten
- Wertverluste durch geöffnete Ware
- vollständige Erstattungen trotz beschädigter Produkte
Diese Kosten tauchen in keiner klassischen Gebührenübersicht auf, wirken sich aber massiv auf die Rentabilität aus.
Rechenbeispiel: Was bleibt wirklich übrig?
Ein realistisches Beispiel zeigt, wie schnell der Gewinn schmilzt:
- Verkaufspreis: 40 €
- Amazon-Verkaufsprovision (15 %): –6 €
- FBA-Gebühren (Versand & Lager): –7 €
- Werbung (durchschnittlich): –5 €
- Rücklagen für Rücksendungen & Verluste: –2 €
Verbleibender Betrag: 20 €
Davon müssen noch Wareneinsatz, Steuern und unternehmerische Kosten bezahlt werden.
Für viele Händler bleibt am Ende kaum mehr als ein symbolischer Gewinn – oder sogar ein Minus.
Die wachsende Abhängigkeit vom Amazon-System
Ein weiteres Problem ist die strukturelle Abhängigkeit. Verkäufer besitzen auf Amazon weder ihre Kundendaten noch die Kontrolle über ihre Reichweite. Änderungen im Algorithmus, neue Gebührenmodelle oder plötzliche Account-Sperrungen können ein gesamtes Geschäftsmodell innerhalb weniger Tage gefährden.
Viele Händler berichten von:
- unerwarteten Sperrungen ohne klare Begründung
- automatisierten Entscheidungen ohne menschlichen Ansprechpartner
- langwierigen Einspruchsverfahren
Diese Unsicherheit macht langfristige Planung nahezu unmöglich.
Warum immer mehr Verkäufer Alternativen prüfen
Angesichts dieser Entwicklung beginnen Händler umzudenken. Statt alles auf einen Marktplatz zu setzen, suchen sie nach unabhängigen, fairen und kalkulierbaren Vertriebskanälen.
Eine dieser Alternativen ist jumblees – ein Marktplatz, der bewusst auf Verkaufsprovisionen verzichtet und Verkäufern mehr Kontrolle über ihr Geschäft lässt.
Was alternative Marktplätze besser machen können
Der Erfolg alternativer Plattformen basiert nicht auf aggressivem Marketing, sondern auf strukturellen Vorteilen:
- Keine Verkaufsprovision: Verkäufe bleiben Verkäufe
- Planbare Kosten: Keine versteckten Gebühren
- Gleichberechtigte Sichtbarkeit: Kein Buybox-Zwang
- Direkter Kundenkontakt: Beziehung statt Anonymität
Gerade für kleine Händler, Nischenanbieter und private Verkäufer entsteht so ein Umfeld, in dem sich Qualität wieder lohnt.
Warum sich Verkaufen 2026 neu denken lässt
Der Onlinehandel steht an einem Wendepunkt. Verkäufer erkennen, dass maximale Reichweite wenig wert ist, wenn sie mit maximalen Kosten erkauft wird. Nachhaltige Geschäftsmodelle setzen auf Diversifikation, Unabhängigkeit und faire Strukturen.
Amazon bleibt ein mächtiger Akteur – aber nicht mehr der einzige Weg. Wer 2026 erfolgreich verkaufen will, denkt strategisch und verteilt seine Abhängigkeiten.
Hoher Umsatz bedeutet nicht automatisch Gewinn
Die steigenden Amazon-Gebühren machen deutlich: Umsatz ist nicht gleich Erfolg. Entscheidend ist, was am Ende übrig bleibt. Für viele Verkäufer lautet die ehrliche Antwort inzwischen: zu wenig.
Alternative Marktplätze gewinnen genau deshalb an Bedeutung. Sie bieten keine leeren Versprechen, sondern echte wirtschaftliche Perspektiven – ohne Gebührenexplosion und ohne Konzernabhängigkeit.